Louis Spohr, der Komponist

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 »Ehe ich von [hier] scheide, muß ich mich dankbar der als Künstler hier so genußreich und glücklich verlebten Stunden [...] erinnern. Sie waren mir Veranlassung, einige meiner größesten Kompositionen zu schreiben, z.B. [...] mehrere Sachen für Hermstedt. Sie verschafften mir die persönliche Bekanntschaft aller in Thüringen und Sachsen wohnenden vorzüglichen Künstler und gewährten mir durch das Zusammenwirken dieser Künstler einen Genuß, den ich selbst in Wien nicht einmal wiedergefunden habe.«

Louis Spohr, 28. Oktober [1815]


»Ich kann nicht umhin, sooft ich einer neuen Glücksphase für Spohr begegne, der Wirkungen der Centralisation in Sachen Kunst zu gedenken: Ich trage kein Bedenken, das Gedeihen der Musik in Deutschland, der Vielfältigkeit seiner Centralpunkte zuzuschreiben [...]. Man hört sein ‘Nocturn‘ in dem kleinen Fürstentum Sondershausen und dieses Stück wird allgemein als ein Meisterstück aufgenommen.«

Alexander Malibran, 1860

Hermstedt, der Virtuose

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»In einem dieser Concerte trat Herr Hermstedt, Direktor der Harmoniemusik des Fürsten von Sondershausen, als Clarinettist auf und erregte durch seine, schon damals ausgezeichnete Virtuosität großes Aufsehen. Er war nach Gotha gekommen, um mich zu bitten, ihm ein Clarinett-Concert zu schreiben, wofür sein Fürst, unter der Bedingung, dass Hermstedt es als Manuscript besitzen solle, ein nicht unbedeutendes Honorar zu zahlen sich erbot.«

Louis Spohr, Selbstbiographie, 1860


»Die Überbringer [...] sind mein erster Klarinettist Hermstedt und einer von meinen Leuten Hermann. Ersterer hat die allerhöchste Gnade gehabt, vor Ihrer Majestät der Königin zu blasen und Höchstdero Beifall zu finden; er wünscht bei dieser Gelegenheit seine musikalischen Kenntnisse zu vervollkommnen und vorzüglich Herrn Tausch, dessen Talente auf der Klarinette so allgemein bekannt sind zu hören. [...] Zugleich hat er den Wunsch, sich dort auch hören zu lassen, wenn sich Gelegenheit dazu finden sollte; er führet deshalb ein Konzert von Mozart aus A-dur bei sich, welches Ew. Hochgeb. als großer Musikkenner und Liebhaber gewiß auch bekannt sein wird und welches er nach meiner Meinung recht artig vorträgt.«

Fürst Günther an den Grafen von Malzahn, 13. Juni 1805


»Leipzig. In voriger Woche hörten wir den Hrn. Cammermusicus Hermstedt aus Sondershausen. Nicht oft hat ein Virtuos das zahlreiche Auditorium so entzückt, und vielleicht niemals ein Virtuos auf einem Blasinstrumente. Herr H. ist aber höchstwahrscheinlich der vorzüglichste unter allen jetzt lebenden Clarinettisten. Nicht nur, dass er Schwierigkeiten auf seinem Instrumente, und mit größter Leichtigkeit, Sicherheit und Anmuth besiegt – [...] auch sein herrlicher, und aller Modification fähiger Ton, die Nettigkeit und Vollendung alles dessen, was er macht, und der Character und Ausdruck, mit welchem er die Compositionen grosser Meister vorträgt – sichern ihm überall den Beyfall eines jeden, der ihn mit Aufmerksamkeit hört.«

Allgemeine musikalische Zeitung 12/11, 13. Dezember 1809


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am Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig – Impressum

Fürst Günther, der Mäzen und Bläser

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»Der Durchlauchigste unser Gnädigster Fürst und Herr haben zu beschließen geruht, daß am kommenden Sonntag [...] der hiesige Hautboisten-Corps mit blasenden Instrumenten in dem sogenannten Loh so wie sonst zum Vergnügen des Publikums wieder Musik machen soll, welches allen, welche daran Theil nehmen wollen, hiermit zur Nachricht bekannt gemacht wird.«

Hofmarschallamt Sondershausen, 11. Mai 1808


»Herr Capellmeister Hermstedt habe zu dem Vortrage im Loh vorzugsweise solche Musikstücke zu wählen, welche sich durch Anmut und Gefälligkeit auszeichnen und durch einen dem Geschmack des Publikums zusagenden Charakter geeignet wären, den Zuschauern eine angenehme Unterhaltung zu gewähren.«

Fürst Günther, um 1808

Streitwolf, der Instrumentenmacher

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»Wenn von Hermstedts Kunstleistungen die Rede ist, so wird man unwillkürlich auch an einen anderen Meister erinnert, der an den glänzenden Erfolgen desselben nicht zu unterschätzenden Anteil hatte. Es ist dies der berühmte Instrumentenmacher Streitwolf in Göttingen, der in enger Beziehung zu Hermstedt stand. Er führte nämlich alle Veränderungen an den Instrumenten Hermstedts aus, die dieser für nöthig hielt. Wenn irgendein Ton nicht nach Wunsch ansprechen wollte, oder sonst Etwas zu ändern war, so wanderte die Clarinette nach Göttingen und Meister Streitwolf wusste zu helfen. Da auch der Fürst sich lebhaft für dies Bestreben interessierte, indem er ja selbst Clarinette, sein Lieblingsinstrument, bliess, so geschah es wohl zuweilen, daß das Instrument durch Stafette nach Göttingen geschickt wurde.«

Friedrich Beisker, Regierungs- und Nachrichtenblatt Sondershausen, 1877


»Mit den Fortschritten in seiner Kunst wuchs nun aber die Einsicht in die Schwierigkeiten und die Überzeugung, daß Nachdenken ohne Wissenschaft nirgends völlig ausreiche. Darum, obgleich schon Familienvater, nahm er 1814 eine Matrikel und besuchte die Universität seiner Vaterstadt, um sich wissenschaftlich auszubilden. Er hörte Mathematik, Chemie und alles, was sonst nur irgend einen Bezug auf seine Kunst hatte und lernte noch mit jugendlicher Leichtigkeit und mit dem Eifer eines gereiften und einsichtsvollen Mannes. Dabei vernachlässigte er sein Geschäft durchaus nicht, sondern begann nun auch Klarinetten zu verfertigen und vervollkommnete dieses Instrument nach dem Muster der Iwan Müllerschen in mancher Rücksicht.«

Dr. Fricke, Neuer Nekrolog der Deutschen, 1837

... und all die anderen!

In der Ausstellung geht es ferner um ...
Tausch, den Klarinettisten
Dorette Spohr, die Harfenistin
Gerber, den Berichterstatter

Aus der Feder Spohrs erfahren wir von vielen Begegnungen des Komponisten mit seinem virtuosen Klarinettisten:
Spohr meets Hermstedt

Darüber hinaus waren noch einige weitere Persönlichkeiten mehr in dieses bedeutende Kapitel der Musikgeschichte bzw. in die Entwicklung der Klarinette davor involviert.
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