Serpent nach Grenser
Sachsen um 1810
Basshorn nach Fürst Günther
Königlich Preußische Militair Musik
Lithographie bei J. Ringler
Augsburg um 1850
Basshörner nach Streitwolf
links:
Chromatisches Basshorn
Jeremias Siering
Magdeburg um 1853–1861

rechts:
Chromatisches Basshorn
Gotthelf Finke
Dresden 1846

Serpent & Basshorn

Der Serpent war das frühste Polsterzungeninstrument in der Basslage. Dieses 'Schlangenrohr' entstand vermutlich in Italien aus einem langen Zinken. Spätestens am Ende des 16. Jahrhunderts war der Serpent in Frankreich bekannt. Dort verwendete man ihn in der Kirche und später auch beim Militär.

Im 18. Jahrhundert führten einzelne Hofkapellen auch in Thüringen den Serpent als Generalbass-Instrument in der Kirchenmusik ein. Diese Konvention spiegelte die höfische Beliebtheit des Französischen wider. Der Sondershäuser Hof erwarb 1730 einen Serpent aus Paris. Er wurde vermutlich auch zu den Aufführungen der Kantaten von Heinrich Gottfried Stölzel im Jahr 1736/1737 in Sondershausen eingesetzt, in denen ein 'Basso Serpendini' genannt ist.
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Auch Ernst Ludwig Gerber lobt das Instrument in der Harmoniemusik; er erwähnt in diesem Zusammenhang die Herstellung von Serpenten in der Werkstatt Heinrich Grenser in einem Artikel in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung (1803).
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Gleichzeitig gab es seit dem späten 18. Jahrhundert aber auch die Forderung nach Verbesserungen an den tiefen Blasinstrumenten für die Harmoniemusik. Im seinem o.g. Artikel berichtet Gerber auch von seiner Erfahrung mit einer 'ganz neuen Art von Serpent': Das ist 'das sogenannte Basshorn'. Basshörner kamen am Ende des 18. Jahrhunderts als Modifikationen des Serpents auf. Zur leichteren Handhabbarkeit und optimalen Verteilung der Tonlöcher wurden die Basshörner aufrecht und gerade gebaut, so ähnlich wie ein Fagott.
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Streitwolf führte die Erneuerungsversuche des Fürsten Günther fort. Nach seinem Basshorn baute Streitwolf das chromatische Basshorn mit 'neun Klappen, welche alle auf eine neue, aber sehr einfache Art so angelegt sind … wie die Tasten auf dem Klaviere' (Heinroth 1820). Ein Exemplar davon ist im Rijksmuseum in Amsterdam überliefert. Der Instrumententyp lebte aber nur kurz: Nach der Einführung der Basstuba (ab 1835) verschwand die Serpent-Familie bald aus der Welt der Bläsermusik.

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